[oekosystemforschung.htm, Rev. 3, 2008-09-28
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Ökosystemforschung

Artenmonitoring

Biotopbeschreibungen und Bewertungen

Konzepte zum Artenschutz

 

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Dipl.-Biol. Stefan Sauer

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Um Aussagen über den Zustand und die Zusammenhänge der belebten Natur eines betreffenden Gebietes treffen zu können, ist zunächst eine Erfassung der vorkommenden Arten nötig.

Für die jeweilige Artengruppen sind ganz unterschiedliche Erfassungsmethoden notwendig (Keschern, Sichtbeobachtungen, Lichtfallen, Barberfallen, Nestersuche, Verhören akustischer Signale). 
Sie müssen über einen längeren Zeitraum erfolgen, je nach Phänologie (Abhängigkeit des Auftretens von der Jahreszeit und dem Wetter) der Arten, dem Vorkommen und der Aktivität im Gelände.

Die Erfassung des Arteninventars eines Gebiets erfolgt also methodenabhängig nach Artengruppen für

- Vögel 
- Pflanzen
- Amphibien
- Reptilien
- Tagfalter
- Heuschrecken

Das Vorkommen der Arten ist nicht zufällig verteilt, sondern es kommen bestimmte Artenzusammensetzungen gehäuft vor, die sich für größere räumliche Einheiten in Biotop-Typen - und besonders im botanischen Bereich auch auf engem Raum - zu sog. Gesellschaften zusammenstellen lassen.

Entsprechend wird das Artenvorkommen des Gebietes bestimmten Biotop-Strukturen zugeordnet und auf Übersichtskarten und in Tabellen für das Gebiet dargestellt.

Anhand des Datenmaterials findet eine genauere Bewertung der Beschaffenheit des Gebiets statt, sowie eine Einschätzung der Notwendigkeit von gezielten Maßnahmen für den Artenschutz.

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Dipl.-Biol. Sauer hat in Zusammenarbeit mit Dipl.-Biol. Neubeck im Landschaftsschutzgebiet Barne-Süd auf dem Stadtgebiet Wunstorfs eine Brutvogelkartierung durchgeführt. Deren Ergebnisse, sowie gutachterliche Einschätzungen des Gebiets durch Sauer/ Neubeck sind in den Pflege- und Entwicklungsplan (Planungsgruppe Landespflege 11/ 2003 – PEP Barne) - erstellt von der „PlanungsGruppe Landespflege"/ Hannover - eingeflossen und zitiert.

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Vorgehensweise/ Artenmonitoring

Pflanzen:

Zunächst wird die begutachtete Fläche nach geeigneter Stichprobenwahl an ausgewählten Stellen (Abb. 1, rote Rechtecke) floristisch erfasst (Tab. 1) und nach Biotoptypen (Abb. 1, grüne Beschriftung und Tab.1) untergliedert.

Geeignete Stichprobenwahl soll heißen, dass bezüglich der Pflanzendecke möglichst einheitlich erscheinende Rechtecke im Gelände abgesteckt werden. Bei den in Bild 1 und Tab. 1 vorgestellten Beispielflächen handelt es sich um Wiese-/ Brachebereiche, von denen einzelne Gehölzbereiche ausgenommen sind. Alle in der jeweiligen Stichprobenfläche vorkommenden Arten werden gelistet und nach dem Schema von Braun-Blanquet, J. (1964) in ihrem Anteil der Flächendeckung gewichtet. Mittels des „Kartierschlüssels für Biotoptypen in Niedersachsen" (Drachenfels, O.v.,1994) werden die Flächen anhand des Arteninventars bestimmten Biotoptypen zugeordnet.

Vögel/ Tiere

Das Auftreten der Tierarten während eines Jahres - z.B. die Sichtungen einzelner Vogelarten während der Brutzeit - und über verschiedene Jahre wird ebenfalls auf Karten und Tabellen festgehalten (Tab. 2 u. Abb.2). Dadurch ist, wenn z.B. aus Tierschutzgründen eine Nestersuche unterbleiben soll, eine Dokumentierung von Brutrevieren der Vogelart möglich (Abb. 2).

Beschreibung/ Bewertung des Artenvorkommens

Pflanzen:

Entsprechend der Klassifizierung des Biotops lassen sich Aussagen über die Schutzwürdigkeit machen, entsprechend der bei Drachenfels, O.v. (1994) aufgeführten Erfassung von schutzwürdigen/ bedrohten Biotoptypen (§ 28a NnatG).

Anhand des Unterschiedes des Arteninventars der Stichproben lassen sich auch innerhalb eines Biotoptyps Unterschiede in Nährstoffversorgung, Bodenfeuchtigkeit, anthropogene Störungen u.a. Bodenparametern feststellen, bzw. entsprechende Hinweise erhalten.

Beispiel:

Es ist in Tab. 1 die bis zu 100%ige Dominanz der Brennessel in der Untersuchungsfläche ein Hinweis auf die langjährig nicht mehr stattgefundene Bewirtschaftung des Grünlands. Während auf den Flächen a3 und a4 Dactylis glomerata und Arrhenaterum elatius flächig, bzw. mit 6 bis 50 Individuen vorkommen, auf a1 und a2 hingegen gar nicht, so finden sich dort wiederum Galium aparine und Alopecurus pratensis ebenfalls flächig, bzw. mit 6-50 Individuen, jedoch gar nicht bei a3 und a4. Da alle vier Arten nährstoff- und feuchtigkeitsliebend sind (Oberdorfer, E., 1994) liegt hier zunächst der Schluss nahe, dass dieser qualitativ scharfe Unterschied in der Artenzusammensetzung durch die deutlich verschieden ausgeprägten Dominanz der Brennessel hervorgerufen wird, wie er ja auch quantitativ in der Tabelle erfasst ist. Brachypodium pinnatum, sonnen- und trockenheitsliebend und an magere Standorte angepasst, kommt jedoch nur in a3 und a4 vor. Ebenso erreicht Holcus lanatus hier im Gegensatz zu a1 und a2 einen flächigen Bestand. Im Gegensatz zu den oben genannten wechselseitig sich ausschließend vorkommenden vier nährstoffliebenden Arten ist dieser ebenfalls nur mäßig stickstoffliebend. Die beiden letztgenannten Arten könnten also durchaus ein Hinweis darauf sein, dass der Unterschied zwischen a1/a2 einerseits und a3/a4 andererseits auch auf eine geringere Nährstoffversorgung des Bodens bei a3/a4 zurückzuführen ist. Dies würde die Arten direkt unterschiedlich bevorteilen, zusätzlich zur geringeren Flächendeckung der Brennessel bei a3/a4. Diese ließe sich ebenfalls mit der hier eventuell geringeren Nährstoffversorgung in Zusammenhang bringen.

Vögel:

Mittels der Zuordnung von sog. Leitarten nach Flade, M (1994) lassen sich – wenn auch nicht so scharf abgrenzbar wie bei den Pflanzengesellschaften – bestimmte Landschaften typisieren, in denen ein bestimmtes Arteninventar der Vögel signifikant häufiger anzutreffen ist als in anderen. Diese Landschaften weisen aber ebenso eine jeweils diskret unterscheidbare Grundausstattung der für die Tiere benötigten Ressourcen auf und sind ebenso in der Vegetationsdecke und/oder menschlichen Bewirtschaftungsweise deutlich unterscheidbar und nach Landschaftstypen klassifizierbar.

Beispiel:

Die in Tabelle 2 fettgedruckten Vogelarten sind nach Flade (1994) Leitarten des Landschaftstypus von Weichholzauen und/ oder Niedermoor. Da die Tabelle 2 sechs von acht der für diesen Typus charakteristischen Leitarten enthält, bedeutet dies eine recht hohe Genauigkeit für den Nachweis dieses Landschaftstypus.

Konzepte für den Artenschutz

Generell sollten sich Maßnahmen für den Artenschutz an den im Gelände vorgefundenen Arten und den abgeleiteten Biotoptypen orientieren. Das betrifft Maßnahmen, die die – in den jeweiligen Biotoptypen - typischen Arten fördern oder ihre Wieder-Ansiedlung wahrscheinlicher machen, aber natürlich auch die Sicherstellung der Verhinderung von Einflüssen, die sich negativ auf den zu schützenden – oder als Ziel zu entwickelnden – Biotoptypus auswirken würden.

Beispiel:

Durch den offenbar sehr hohen Nährstoffgehalt der Flächen UF 1 und UF 2 (Tab. 1 und Abb.2) ist auf absehbare Zeit auch durch Mahd und Abfuhr des Mähgutes keine entscheidende Änderung des Nährstoffreichtums und keine Entwicklung in einen anderen (schützenswerteren) Biotoptyp zu erwarten, wohl aber eine Reduzierung der Dominanz der Brennessel. Generell würde Mahd den Artenreichtum von UF 1 und UF 2 fördern, z.B. durch die Zurückdrängung der Dominanz der Brennessel.

Wichtig wäre hier die Überprüfung des Vorkommens aus anderen Artengruppen. Zum Beispiel nutzt die Zwergmaus gerne flächige Brennesselbestände als Brutstätten-Habitat. Auch halten sich gerne, wenn Laichgewässer in der Nähe sind, Grasfrösche am Boden auf, wo dichterer Brennesselbewuchs durch Beschattung und Transpiration Feuchtigkeit zurückhält, bzw. ein feuchteres Kleinklima erzeugt . 

Abb. 1

Tab. 1

Tab. 2

 

Abb. 2

 

Rechtshinweis:

Die von mir vorgeschlagenen Maßnahmen sind außerhalb des bewohnten Siedlungsbereiches jeweils mit den zuständigen Behörden, insbesondere bezügl. der §§ 16,18 und 19 BNatG abzustimmen und können von mir vermittelt werden, sind aber jeweils dort genehmigungspflichtig. Nicht genehmigungspflichtig sind Maßnahmen innerhalb des Siedlungsbereichs, sofern sie nicht gegen das Baurecht verstoßen.

Literatur:

Braun-Banquet, J. (1964) : Pflanzensoziologie. - 330 S., Berlin.

Drachenfels, O.v. (1994): Kartierschlüssel für Biotoptypen in Niedersachsen, Niedersächsisches Landesamt für Ökologie, Fachbehörde Naturschutz.

Flade, M (1994): „Die Brutvogelgemeinschaften Mittel- und Norddeutschlands, Grundlagen für den Gebrauch vogelkundlicher Daten in der Landschaftsplanung, Eching

Oberdorfer, E (1994): Pflanzensoziologische Exkursionsflora, 7. Aufl., Stuttgart.

Pott, R. (1992): Die Pflanzengesellschaften Deutschlands, Stuttgart.

Schmeil, O. (1993): Flora von Deutschland und angrenzender Länder, 89. Aufl., Heidelberg; Wiesbaden.

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Keywords / Stichworte:
Ökosystemforschung, Oekosystemforschung, Artenmonitoring, Biotopbeschreibungen, Kartierungen, Artenschutz